Die Geschichte der Theologischen Fakultät Teil II

Peter Musaeus war der erste Dekan

Petrus Musäus (1620-1674), Professor der Theologie, erster Dekan der Theologischen Fakultät und Prorektor der Universität im Jahr 1665Während der Gründungszeit des 17. Jahrhunderts wurde die Theologische Fakultät durch eine moderate, melanchthonisch ausgerichtete, lutherische Orthodoxie geprägt. Der aus Helmstedt berufene Peter Musaeus (1620-1674) war erster Dekan der Fakultät und zugleich erster Prorektor der Universität (den Rektortitel führte bis 1808 der Landesherr). Einflußreich war der aus Rostock berufene Christian Kortholt (1623-1694), dessen Schüler August Hermann Francke dem Hallischen Pietistismus prägende Impulse gab.

Die Universtität im Niedergang

Der Nordische Krieg (1700-1721), durch den das Gottorfer Herzogtum seine schleswigschen Gebiete an Dänemark verlor, brachte der Universität einen starken Niedergang. Erst durch die Personalunion des Herzogtums Gottorf mit dem Russischen Reich 1762 und durch dessen Austausch der Gottorfer Besitzungen 1773 an die dänische Krone, der nunmehr die Herzogtümer Schleswig und Holstein unterstanden, erhielt die Universität neue Wachstumsimpulse.

Reorganisation um Geiste der Aufklärung

An der Reorganisation von Fakultät und Universität war im Geist der Aufklärung Johann Andreas Cramer (1723-1788; tätig seit 1774) stark beteiligt. In diesem Sinne vertrat Jakob Christoph Rudolf Eckermann (1754-1837; tätig seit 1782) einen moderaten theologischen Rationalismus. Als Gegenpol zum Rationalismus wurde 1798 der Supranaturalist Friedrich Kleuker (1749-1827) berufen. Außerhalb der Fakultät kämpfte der Gemeindepfarrer Claus Harms (1778-1855) wirkungsvoll gegen den kirchlichen Rationalismus und gab der lutherischen Erweckungsbewegung wichtige Impulse.

August Twesten etabliert die Vermittlungstheologie als Schwerpunkt

Der Schleiermacher-Schüler August Twesten (1789-1876; tätig 1814-1835) etablierte die Vermittlungstheologie in Kiel und gab ihr eine Vormachtstellung für das 19. Jahrhundert. Zu dieser theologischen Schule gehörten Anton Friedrich Ludwig Pelt (1799-1861; tätig 1835- 1852, Entlassung wegen Teilnahme an der Schleswig-holsteinischen Erhebung), Isaak August Dorner (1809-1884; tätig 1839-1843), Albert Liebner (1803-1871; tätig 1844-1851), Bernhard Weiß (1827-1918; tätig 1863-1877), Erich Haupt (1841-1910; tätig 1878-1883), Richard Adalbert Lipsius (1830-1892; tätig 1865-1871), Friedrich Nitzsch (1832-1898; tätig seit 1872).

Nachdem Schleswig-Holstein 1867 preußische Provinz geworden war, wurde in der Theologischen Fakultät bereits 1868 die Zahl der ordentlichen Professuren auf fünf erhöht. Während die Theologiestudenten bis 1800 etwa die Hälfte und 1875 noch ein Viertel der gesamten Studentenschaft ausmachten, war ihr Anteil bereits im Sommer 1900 auf 5% gesunken (1900: 59 Theologiestudenten, 1914: 118).