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HUSUMER NACHRICHTEN

 

65. Universitätswoche

Wissen schafft Dialog

15. Januar 2013 | 06:45 Uhr | Von pan


Mit dem Eröffnungsvortrag zog der Referent die zahlreichen Zuhörer  in seinen Bann. Foto: hjm

Mit dem Eröffnungsvortrag zog der Referent die zahlreichen Zuhörer in seinen Bann. Foto: hjm

Christentum trifft Islam: Vortrag zur Eröffnung der 65. Universitätswoche stieß auf große Resonanz.

Husum. Die "Week of the Profs", wie der Vorsitzende der Sektion Husum der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft, Karsten Rüsch, die 65. Universitätswoche bezeichnete (wir berichteten), eröffnete mit einem Vortrag von Professor Dr. Andreas Müller von der Christian- Albrechts-Universität zu Kiel. Sein Thema "Die Anfänge der Begegnung zwischen Christentum und Islam" erfreute sich so großer Beliebtheit, dass im Rittersaal des Schlosses kurzfristig Stuhlreihen ergänzt wurden. Das Thema sei aktuell, wenngleich anstrengend, "aber 2013 ist bereits als Jahr der Toleranz definiert", begann der Referent schmunzelnd.

Schon Martin Luther habe sich im 16. Jahrhundert an mehreren Stellen zum Islam geäußert - er stellte die Frage, ob die Kultur des Abendlandes noch nach den Vorstellungen Gottes gestaltet war. Die Christen schienen ihm vollkommen verweltlicht. Es erfolgte eine Beschäftigung mit dem Islam, ein Prozess der Vertiefung der christlichen und einer Stärkung der eigenen Identität. Dazu leitete Professor Müller zu drei Beispielen aus dem Nahen Osten über.

Johannes von Damaskus, ein um 650 geborener berühmter Theologe, wuchs unter Muslimen auf und setzte sich mit ihrer Religion auseinander. In der "Quelle der Erkenntnis", einem seiner umfangreichen theologischen Werke, setzt er sich vom Islam als einer Häresie ab, was dem Ketzertum gleichkommt. Seine große Kenntnis der islamischen Kultur und sein Streben nach "Treue zur Lehre" veranlassten ihn, die Christen wachzurütteln, und die Ansichten des Islams und den Inhalt des Korans kritisch zu hinterfragen. Dafür sei eine Auskunftsfähigkeit über den eigenen Glauben nötig, nach Ansicht Müllers eine in diesem Punkt nachvollziehbare Geisteshaltung.

Die durch den Vortrag führende Power-Point-Präsentation erwies sich als sehr hilfreich bei den umfangreichen historischen Erläuterungen, die durch freundliche Ermunterungen seitens des Professors keine Schwere erhielten.

Theodor Abu Qurra (740), als zweitgenannter Zeitgeist, "lebte unter einem bereits als eigenständige kulturelle Größe etablierten Islam" und erfasste diesen als eigenständige Religion, mit ihm begannen erste rational erörternde Formen des Dialogs. Für seine Argumentation benutzte er eine Form der Dialektik, eine Methode der Wahrheitsfindung, man könne nicht nur aufgrund zwingender und allgemein anerkannter Grundsätze überzeugen. In dem Bestreben nach einem vernünftigen Dialog begann ein neuer Abschnitt in der christlich-islamischen Begegnung.

Den dritten Meilenstein in der Annäherung zwischen Christentum und Islam führte der Referent auf Marc Timotheos (727) zurück. Ein ostsyrischer Patriarch, der einen langen Disput mit einem Kalifen führte, eine der ersten christlich-muslimischen "Erklärungen theologischen Sachverhalts mit allgemein nachvollziehbaren Bildern" und der Aufnahme von Gedanken aus dem Koran. "Man kann nicht von allem ausgehend einen beweisenden Schluss führen, sondern nur von etwas ausgehend, das eine gewisse Ähnlichkeit zu dem Beweisenden hat." Er knüpfte mehrmals an die islamische Theologie an und wollte, dass man Dinge kennt und einordnen kann. So wurde die Ausbildung einer arabisch-christlichen Identität durch den Dialog gefördert.

Das Resumée zog Dr. Helmut Edelmann, Vorstandsmitglied der Unigesellschaft, Sektion Husum. Der ehemalige Propst sah eine große Chance darin, die heutigen Berührungsängste zu verlieren: "Entweder berufen wir uns auf unsere Bibelkenntnis, oder wir handeln mit Vernunft. Oder wir lassen uns darauf ein im Dialog - es lohnt sich, das Gespräch zu suchen."

"Durch Begegnung mit anderen können wir uns selbst kennenlernen und uns als das wahrnehmen, was wir sind", bekräftigte Professor Dr. Andreas Müller im Anschluss an den Vortrag. Durch unser Wissen erhielten wir die Grundlage für den Dialog. Damit gab er seinen ausgiebig diskutierenden Zuhörern eine unausgesprochene Hausaufgabe mit auf den Weg über den verschneiten Schlossplatz.


 




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