Habilitationsprojekt Dr. theol. Christian Wetz

Evolutionäre Psychologie des Neuen Testaments
Eine Studie zur pragmatischen Analyse neutestamentlicher Texte

Evolutionäre Psychologie untersucht die psychischen Mechanismen des Menschen in Hinsicht auf ihre Angepasstheit an spezifische Umweltbedingungen im Laufe der Hominisation (environment of evolutionary adaptedness, EEA). Psychische Mechanismen konstituieren den für die Wahrnehmung der (v.a. sozialen) Umwelt zuständigen Apparat. Das Habilitationsprojekt will – ähnlich dem literary Darwinism (Joseph Carroll, Karl Eibl, Brian Boyd) – hieraus sich ergebende Erkenntnisse für die pragmatische Analyse narrativer und argumentativer neutestamentlicher Texte aufarbeiten, also für die Frage, wie ein Autor die Wahrnehmung des Lesers über die dem Text beigegebene Erzähl- oder Argumentationsstrategie steuert (‚Leserlenkung‘). Es wird u.a. darum gehen, dass bestimmte äußere Auslöser (‚Trigger‘) psychische Mechanismen in Gang setzen, die wiederum die Wahrnehmung beeinflussen oder Handlungen anstoßen. So löst in einer Geschichte die Erwähnung einer marginalisierten Person (Aussätziger, Ehebrecherin, Zöllner) solche Mechanismen aus, die mit Ostrazismus assoziiert sind, also mit willentlich kaum steuerbaren Ausgrenzungsreaktionen der normativen Kerngruppe gegenüber Einzelnen. Dies führt zur auktorial gelenkten Positionierung des Lesers innerhalb der Geschichte.