Hinweise zur Homiletikarbeit

CAU Kiel

Institut für Praktische Theologie

 

Professorin Dr. Uta Pohl-Patalong:

 

Die Homiletikarbeit enthält die reflektierten Schritte zur Predigt sowie die Predigt selbst. Grundlegend ist dabei, dass der Ertrag jedes Schrittes für die Predigt benannt wird. Dabei sollten Sie nur die Überlegungen in die Predigtarbeit aufnehmen, die sich auch tatsächlich als relevant für die Predigt erwiesen haben. Die homiletische Kompetenz, zwischen wichtigen und unwichtigen Schritten zu entscheiden und das für die Predigt Relevante auszuwählen, fließt mit in die Bewertung ein.

 

Folgende Schritte sollten dabei gegangen werden:[1]

 

1. Begegnung mit dem Predigttext: Vor jeder Arbeit am Text in Richtung Predigt sollten Sie den Text auf sich wirken lassen und mit ihm aktiv und kreativ umgehen – beispielsweise ihn in verschiedenen Situationen lesen und methodisch kreativ mit ihm umgehen. In der Arbeit dokumentieren Sie, was der Text zunächst an Gedanken und Gefühlen bei Ihnen ausgelöst hat. Dazu gehört auch, warum Sie sich für ihn entschieden haben und welche Geschichte Sie eventuell bereits mit ihm haben. Sie zeigen dann, wie sich dies möglicherweise durch den kreativen Umgang verändert hat. Anschließend reflektieren Sie die Auswirkungen dieser Begegnung auf die Predigt.

 

2. Exegetische Überlegungen: Sie stellen fest, welche exegetischen Methodenschritte für diesen Text im Blick auf die Predigt relevant sind, dokumentieren diese und stellen ihren Ertrag für die Predigt dar. Haben Sie Methoden angewendet, die sich im Nachhinein als nicht ertragreich herausstellen, werden diese in die Predigtarbeit nicht aufgenommen. Bitte keine exegetische Vollständigkeit!

 

3. Systematisch-theologische Überlegungen: Die Themen, die sich in den bisherigen Schritten als interessant und wichtig für die homiletische Arbeit am Text erwiesen haben, setzen Sie zur systematisch-theologischen Tradition in Beziehung. Diese Themen sollten durchgehend auf den Text bezogen sein.

 

4. Impulse aus Alltag und Kultur: Wenn sich Beobachtungen, Materialien, Erfahrungen oder Fundstücke aus Alltag und Kultur als relevant für die Predigt erweisen, stellen Sie diese dar und zeigen ihren homiletischen Ertrag auf. Texte oder Bilder können Sie gerne im Anhang dokumentieren.

 

5. Homiletische Überlegungen: In diesem Schritt skizzieren Sie die Gemeinde, die Sie sich für Ihre Predigt vorstellen, und benennen die Konsequenzen, die dies für die Predigt hat. Dann stellen sie dar, für welche Predigtinhalte Sie sich aus welchen Gründen entschieden haben, welche sprachliche und stilistische Gestaltung Sie aus welchen Gründen gewählt haben und wie Sie zu dem Aufbau der Predigt gekommen sind. Erkenntnisse aus dem Predigtfeedback im Seminar können hier – oder in Form von Anmerkungen in der Predigt – einfließen.

 

6. Predigt: Hier hat die gesamte Predigt ihren Ort – so wie Sie sie jetzt (nach dem Seminar) halten würden.

 

7. Literaturverzeichnis

 

Folgende Aspekte spielen für die Bewertung eine Rolle:

  • Werden die einzelnen Schritte der Predigtarbeit sinnvoll ausgeführt?
  • Wird ihr Ertrag für die Predigt erkennbar?
  • Wird in den vorbereitenden Schritten und in der Predigt deutlich, was die Predigerin/der Prediger selbst in der Auseinandersetzung mit dem Text gelernt/erlebt/erfahren hat?
  • Wird die Deutung des Textes in der Predigt exegetisch gehaltvoll reflektiert?
  • Werden die expliziten und impliziten theologischen Aussagen der Predigt dogmatisch angemessen begründet?
  • Passt die Predigt zu der vorgestellten Gemeinde und wird ihre Ausrichtung in den homiletischen Überlegungen plausibel?
  • Wird die Predigt dem Text gerecht?
  • Kann die Predigt der Gemeinde helfen, dem Bibeltext näher zu kommen? Kommt der Text durch die Predigt zum Leuchten?
  • Können die Hörenden etwas für ihr Leben / ihren Glauben mitnehmen?
  • Ist die Predigt so offen formuliert, dass Raum ist für unterschiedliche Zugänge der Hörenden?
  • Ist die gewählte Form der Predigt passend zum Inhalt?
  • Wird die Predigt sprachlich ansprechend gestaltet?
  • Werden Beispiele sinnvoll verwendet und Emotionen eingängig geschildert?
  • Ist die Predigt sinnvoll aufgebaut und ergibt sich ein guter Spannungsbogen?
  • Werden Anfang und Schluss ansprechend gestaltet?

 


[1] Die Formulierung „sollte“ bedeutet, dass ich Ihnen diese Schritte empfehle, es aber gute (und dann darzustellende) Gründe geben kann, von ihnen abzuweichen.