Schwerpunkte in Forschung und Lehre

Das Forschungsinteresse des Lehrstuhls für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Dogmatik (Prof. Dr. Rosenau)  gilt der Ausarbeitung einer sapientialen Dogmatik im Anschluss an Traditionen alttestamentlicher Weisheitstheologie. Sie nimmt die gegenwärtigen Erfahrungen von Gottesferne auf und versucht entsprechend den Umgang mit traditionellen Glaubensinhalten auch im Blick auf eine angemessene Form ihrer Vermittlung in einer „postchristlichen“ Zeit neu zu gestalten. Nach einer allgemeinen Grundlegung konzentriert sich nun die Forschung auf das mit der Erfahrung von Gottesferne eng verbundene Theodizeeproblem und seine mögliche Lösung.

Vor diesem Hintergrund geht Dr. phil. Kinga Zeller (Wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Ro-senau) in ihrem Habilitationsprojekt den anthropologischen bzw. existenzialen Voraussetzungen für ein angemessenes Verständnis der reformatorischen Rechtfertigungslehre nach, um hier auch konfes-sionsspezifische Kontroversen zwischen Monergismus und Synergismus oder passivsicher und aktivi-scher Konstitution des Menschseins im weiterführenden Anschluss an aktuelle Gabe-Theorien zu überwinden.
Im weiteren Umfeld des hier entwickelten sapientialen Ansatzes in der Dogmatik werden z. Zt.  Dis-sertationen angefertigt, die sich mit einer Apologie der christlichen Trinitätslehre im Blick auf den in-terreligiösen Dialog zur Begründung von Toleranz und Versöhnung (Rahmadwati Yu-Riemer), mit einer Prüfung von Feuerbachs Religionskritik angesichts gegenwärtiger anthropologischer Diskurse (Dinerzad Bauer), mit christlichen Wiedergeburts-Vorstellungen (Hinnerk Husmann) und eschatologi-schen Konzepten von Essentifikation (Christian Krause) sowie mit Aspekten der Theodizee-Problematik (Yasmin Donath) beschäftigen.
Ein weiterer, neu hinzu gekommener Schwerpunkt ist die Verbindung von Themen einer sapientialer Dogmatik mit Entwürfen eines „weltlichen“ Redens von Gott in der Theologie Dietrich Bonhoeffers.   

 

Dissertationen und Habilitationen

1.)  Dissertation:  Lichtblick des Friedens. Grundlinien einer sapientialen Theologie der Religionen im Anschluss an Nikolaus von Kues

Eine sapientiale Theologie der Religionen geht von der ambivalenten lebensweltlichen Erfahrung der existentiellen Suche nach Sinn angesichts des religiös-weltanschaulichen Pluralismus' im Horizont der Theodizeefrage und Gottesferne aus. Durch die Aufnahme der konjekturalen Methode der Wahrheitserkenntnis (ars coniecturalis / Kunst der Mutmaßung) des Philosophen und Theologen Nikolaus von Kues (1401 - 1464) und einer systematisch-theologischen relecture seiner Schriften De docta ignorantiaDe coniecturisDe pace fidei und De visione Dei wird ein Perspektivismus in Abgrenzung zu gängigen religionstheologischen Klassifikationen (Exklusivismus; Inklusivismus; Pluralistische Theologie der Religionen) entfaltet, der die christliche Glaubensgewissheit mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen (selbst-)kritisch zueinander in Beziehung setzt und so ethische Bedingungen der Möglichkeit eines gelingenden Friedens zwischen den Religionen im Sinne des christlichen Gebots der Feindesliebe formuliert. Die philosophische Theologie des Cusaners zeigt sich für die gegenwärtigen Debatten um eine Theologie der Religion erstaunlich weiterführend.

http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-9052-X

2.) Habilitationsprojekt: Fragwürdiger Abschied. Die Krise des Gottesgedankens in der Moderne und die Theologie (Arbeitstitel)