Die Geschichte der Theologischen Fakultät Teil III

Zwischen positiver und liberaler Theologie im 19. Jahrhundert

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Fakultät zunehmend durch die kirchlich-theologische Richtungsgegensätze zwischen positiver und liberaler Theologie geprägt. Liberaler Protestantismus und kritische Theologie waren prominent vertreten durch den Neutestamentler Emil Schürer (1844-1910; tätig 1890-1894), den Kirchenhistoriker Hans von Schubert (1859-1931; tätig 1892-1906), den praktischen Theologen Otto Baumgarten (1858-1934; tätig 1894-1926) und den systematischen Theologen Hermann Mulert (1879-1950; tätig 1920-1935), den letzten Herausgeber der Zeitschrift „Die Christliche Welt“.

Auf Seiten der positiven Theologie standen insbesondere der Alttestamentler August Klostermann (1837-1915; gegen den Fakultätsvorschlag 1868 auf den neuen Lehrstuhl für Altes Testament berufen), der Neutestamentler Ferdinand Mühlau (1839-1914; tätig 1894-1909), der systematische Theologe Erich Schaeder (1861-1936; tätig 1899-1918).

Hermann Mandel formuliert die ‚Wirklichkeitstheologie'

Dessen Nachfolger Hermann Mandel (geb. 1882, tätig in der Theol. Fakultät 1918-1935) formulierte während der Weimarer Republik eine ‚Wirklichkeitstheologie' im Sinne eines ‚Deutschen Gottglaubens‘ und stritt nach der nationalsozialistischen Machtübernahme für eine strikt nationalsozialistische Ausrichtung der Fakultät; er wurde samt Lehrstuhl nach heftigen Auseinandersetzungen mit Fakultätskollegen 1935 gegen seinen Willen in die Philosophische Fakultät versetzt.

Während der NS-Zeit

Bei Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft zählte die Fakultät sieben Ordinariate und 149 Studierende (WS 1933/34). Durch die Staats- und Universitätsverwaltung wurde 1935/36 die beamtete Professorenschaft der Fakultät durch Entpflichtung, Versetzung und Berufung nach auswärts vollständig entfernt, zusätzlich zwei Privatdozenten die venia legendi entzogen.

Ab 1936 erfolgte, als Pläne zu einer Aufhebung der im WS 1936/37 auf 38 Studierende geschrumpften Fakultät nicht realisiert wurden, eine in sich komplizierte und ambivalente Neubesetzung überwiegend in nationalsozialistischer Orientierung. Durch fortgesetzte Angriffe des 1938 gegründeten Nationalsozialistischen Dozentenbunds der CAU sank die Theologische Fakultät zu einer Schattenexistenz. Während der Kriegsjahre gab es fast keine Studierende und fast keine Lehrveranstaltungen; die Fakultätsleitung lag in Händen fakultätsfremder Dekane.

Neubesetzungen nach 1945

Der Beginn nach 1945 war sowohl durch Nichtveränderung als auch durch Neubesetzung von Lehrstühlen geprägt. Drei Professuren waren weiterhin mit den bisherigen Lehrstuhlinhabern besetzt: Im Fach Neues Testament lehrte der bekenntniskirchlich orientierte Heinz-Dietrich Wendland 1937-1955, im Fach Kirchengeschichte Peter Meinhold 1936-1975, im Fach Systematische Theologie Martin Redeker 1936-1968. Zwei Lehrstühle wurden neu besetzt: Im Altes Testament lehrte wieder der zwangsentpflichtete Wilhelm Caspari (1922-1936 und 1945-1947), im Fach Praktische Theologie, dessen Lehrstuhl 1941 ins Institut für Meereskunde umgewidmet worden war, Heinrich Rendtorff (1926-1930 und 1945-1956).