Geschichte und Aufgaben der Forschungsstelle

Schleiermacher

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834) war der bedeutendste deutschsprachige protestantische Theologe des 19. Jahrhunderts. Er hatte in Berlin als Gemeindeprediger, Universitätsprofessor und Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften eine große Wirksamkeit. Für die neuzeitliche Umgestaltung der Theologie gab er prägende Impulse (vgl. seine Reden „Über die Religion“).

An der Reform der deutschen Universität im Rahmen der Gründung der Berliner Universität 1810 und an der lutherisch-reformierten Kirchenvereinigung in Brandenburg-Preußen seit 1817 war er mit wichtiger Stimme beteiligt.

Er verfasste mit seinem Lehrbuch „Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche“ die erste gesamtprotestantische Dogmatik. In Theologie und Philosophie formulierte er eine eigenständige Position zwischen Aufklärung, Deutschem Idealismus und Romantik. Seine Übersetzung der Werke Platons hat klassischen Rang. Für die Pädagogik, Psychologie und Hermeneutik gab er wichtige Impulse.

Die seit 1967 bestehende Schleiermacher-Forschungsstelle erhielt 1977 den Status einer eigenständigen Einrichtung der Theologischen Fakultät. Ihr wichtigstes Projekt ist die Kritische Gesamtausgabe (KGA), die von Prof. Dr. Hans-Joachim Birkner (Kiel) gemeinsam mit den Proff. Gerhard Ebeling (Zürich), Hermann Fischer (Hamburg) und Heinz Kimmerle (Rotterdam) seit 1972 vorbereitet wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag de Gruyter. Die Kritische Gesamtausgabe umfasst die von Schleiermacher zu seinen Lebzeiten publizierten Schriften sowie seine nachgelassenen Werke und Briefe und ist in fünf Abteilungen gegliedert, wobei jeder Abteilung auch der ihr zugehörige handschriftliche Nachlass zugeordnet ist: I. Schriften und Entwürfe, II. Vorlesungen, III. Predigten, IV. Übersetzungen, V. Briefwechsel und biographische Dokumente. Die Kritische Gesamtausgabe wird begleitet und ergänzt durch die Publikationsreihe des Schleiermacher-Archivs.

Die editorische Arbeit, die zunächst 1975–1983 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert wurde und seit 1984 von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen im Rahmen des Akademien-Programms für Bildungsplanung und Forschungsförderung gefördert wird, konzentrierte sich zunächst auf die I. Abteilung „Schriften und Entwürfe“. Diese Abteilung, deren Musterband 1980 publiziert wurde und die insgesamt 15 Bände in 18 Teilbänden umfasst, ist im Jahr 2005 mit dem Registerband termingerecht abgeschlossen worden. 

Mit dem Jahresbeginn 2003 wurde als neues Forschungsprojekt die Edition der Predigten Schleiermachers (Kritische Gesamtausgabe, III. Abteilung) eröffnet. In 14 Bänden sollen in den kommenden Jahren die 583 bisher bekannten Predigten und Predigtentwürfen sowie zusätzlich die etwa 800 bisher unbekannten Predigtdokumente publiziert werden.

Für diese Forschungsaufgaben stehen zwei Editorenstellen samt Unterstützungsstellen zur Verfügung, die momentan auf zwei Editorinnen (Elisabeth Blumrich und Kirsten Maria Christine Kunz) und zwei Editoren (Dirk Schmid und Patrick Weiland) sowie vier studentische Hilfskräfte verteilt sind. Alle diese Stellen sind aus Drittmitteln des Akademienprogramms finanziert. Die Leitung ist mit einer Professur für Systematische Theologie (Günter Meckenstock) verbunden.

Die Schleiermacher-Forschungsstelle will in Kooperation mit der Berliner Schleiermacher-Forschungsstelle, die 1979 an der Theologischen Hochschule Berlin-Zehlendorf gegründet wurde und jetzt in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften beheimatet ist, ein Zentrum der nationalen und internationalen Schleiermacherforschung sein. Dazu arbeitet sie auch mit der 1996 gegründeten Internationalen Schleiermacher-Gesellschaft zusammen. Sie unterstützt Gastaufenthalte ausländischer Schleiermacherforscher. Sie verfügt über eine umfangreiche Forschungsbibliothek, die sowohl die Primärtexte als auch die zahlreichen Publikationen über Schleiermacher möglichst vollständig sammelt. Dabei wird auch Schleiermachers eigene Bibliothek, die nach seinem Tode versteigert wurde, für die Forschung rekonstruiert. 

Stand 22. August 2013