Grußwort Ministerpräsident Torsten Albig 24. Mai 2015

Schleswig-Holstein ist ein Land, das von seinen christlichen Traditionen geprägt ist. Wir Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner sind dem christlichen Menschenbild verpflichtet. Die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens leiten wir daraus ab: Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Barmherzigkeit.

Und wir sind offen für all diejenigen, die aus anderen Gründen diese Werte mit uns teilen.

 

Ja, die christlich-kirchliche Religion hat in unserer Gesellschaft über die Jahrhunderte an Bedeutung verloren.

Ja, die Menschen fühlen sich nicht mehr so stark gebunden an religiöse Institutionen, insbesondere an die großen Kirchen.

Und doch: Für die allermeisten Menschen in Schleswig-Holstein spielen Glaube und Religion eine wichtige Rolle.

 

Eine deutliche Mehrheit der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner bekennt sich zu einem Gott: Christen, Juden, Muslime, Menschen vieler anderer Glaubensrichtungen.

 

Wir erleben das ja gerade: Innerhalb weniger Wochen haben sich die Unterschriftenlisten derer gefüllt, die für einen Gottesbezug in unserer Landesverfassung sind. Auch ich bin für einen Gottesbezug. Weil wir uns damit vor Augen halten: Es gibt eine höhere Instanz, der gegenüber ich mein Handeln zu rechtfertigen habe.

 

Unser Glaube und die Wertevorstellungen, die wir daraus ableiten, sind uns Kompass: Für unser privates Verhalten in Familie und Freundeskreis. Für unser Handeln in Staat und Gesellschaft.

 

Unsere christlichen Werte sind auch Antrieb für viele, viele Menschen, die sich für andere einsetzen: in Wohlfahrtsverbänden, Freiwilligendiensten, anderen Ehrenämtern.

 

Kirchen und religiöse Gemeinschaften sind also ungebrochen wichtig: für jeden Einzelnen wie auch für unsere Gesellschaft insgesamt.

 

Seit einigen Jahren ist Religion wieder ein großes öffentliches Thema. Bedauerlicherweise durch Geschehnisse, die viel Leid bringen. Vor allem Kriege und Gewalttaten haben die Religion wieder stärker in den Fokus gerückt. Vielleicht sogar in Verruf gebracht. Weil da Menschen sind, die das Wort Gottes oder Allahs oder wie sie Ihn auch immer nennen mögen – die Sein Wort missbrauchen, um ihre eigentlichen Motive zu überdecken. In Nordirland, in Syrien. In New York, in Paris.

 

Sollte uns das dazu bringen, weniger Religion zu fordern? Uns von unserer Religion oder unserem Glauben zu distanzieren?

 

Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe. Sie machen uns erst zum Menschen. Das sind Grundwerte, die uns unsere Religion aufgibt. Das gilt für Christen wie für Juden, für Muslime ebenso wie für Buddhisten.

 

Unsere Antwort auf Gewalt in der Welt kann deshalb nur mehr Religion sein. Nach deren Grundwerten leben. Aus unserem festen Glauben heraus jenen Menschen entgegentreten, die den Namen Gottes zwar führen, ihn in Wahrheit aber missbrauchen.

 

Wir sollten uns mit unserem Glauben auseinandersetzen. Bewusst und selbstbewusst. Wenn wir unseren Glauben immer wieder überprüfen, machen wir ihn damit umso fester. Von dieser stabilen Basis aus müssen wir die Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen suchen. Nicht die Gegensätze. Um gemeinsam etwas Gutes zu schaffen.

 

Es ist also wichtig, dass wir uns mit dem Thema Glauben und Religion auseinandersetzen. Auch im wissenschaftlichen Diskurs.

 

Deshalb gehören Glauben und Religion auf einen Uni-Campus.

Deshalb gehört eine Kirche auf einen Uni-Campus.

An einer großen Universität wie der CAU treffen Studierende aller Religionen aufeinander. Und wir sind offen für diese anderen Religionen. Das heißt für mich nicht, dass wir vor lauter Toleranz unseren Glauben nicht mehr praktizieren oder öffentlich sichtbar machen dürfen.

Hier in der Uni-Kirche finden unsere Studenten einen Ort der Besinnung.
Hier setzen sie sich vor allem auseinander mit den Werten, die unsere Gesellschaft tragen.
Hier lernen sie, woher unsere Werte kommen. Wie Religion die Gesellschaft prägt. Und wie Gesellschaft die Religion.
Hier erfahren sie, wie wichtig die Bindekraft der Religion für eine demokratische Gesellschaft ist. Wie sich religiöse Werte in der Welt unterscheiden. Oder eben auch nicht.

 

Die Universitätskirche der CAU ist ein wertvoller Ort. Für alle Christen hier auf dem Campus. Und für die vielen jungen Leute anderen Glaubens.

Ich bin dankbar, dass wir die Unikirche haben.

Ich gratuliere der Kirche, Ihnen, Herr Professor Müller, der Universität und allen Studentinnen und Studenten zum 50. Geburtstag dieses Gotteshauses.