Grußwort Winkler

Liebe Ehrengäste, liebe Festgemeinde,

Viele Studierende kennen „das dreieckige Gebäude am Westring“ - wenigstens von außen. Es dient zur Orientierung auf dem Campus, passt zu den geometrischen Formen des Audimax, des Sechseckbaus und des Hochhauses. Aber erst von innen betrachtet und verbunden mit persönlichen Erlebnissen wird dieses Gebäude lebendig. Nun sind wir ja als Studierende immer nur für eine begrenzte Zeit Teil der Gemeinde (das liegt in der Natur der Sache), daher werde ich nicht versuchen, die Erlebnisse und Erfahrungen früherer Studierendengenerationen wiederzugeben. Stattdessen möchte ich Ihnen erzählen, wie meine, die aktuelle Generation sich mit der Universitätskirche verbunden fühlt.

„Weite Räume meinen Füßen“ haben wir vorhin gemeinsam gesungen. Das Lied gehört seit einiger Zeit zu unseren Lieblingshits in der ESG und wird mit Begeisterung in unseren Andachten – oder auch einfach mal so zwischendurch – gesungen. Aus zwei Gründen haben wir das Lied für diesen Gottesdienst heute ausgesucht: Zum einen spiegelt es die Glaubensauffassung unserer Gemeinde wieder und zum anderen auch unser Verhältnis zur Universitätskirche. Wir haben das große Glück, eine Kirche direkt auf dem Campus zu haben – sogar „gleich nebenan“ - die uns viel Raum bietet, uns auszuprobieren und zu wachsen. So haben wir unsere Unikirche schon auf ganz unterschiedliche Art und Weise genutzt und kennengelernt:

Jeden Mittwochabend feiern wir hier eine Andacht, die entweder von uns oder von unserer Pastorin gestaltet wird. Im Rahmen eines Gemeindeabends zum Thema „Open Space“ haben wir die Unikirche auch schon mal im leergeräumten Zustand erleben und dabei ganz neu entdecken können. Der Universitätsgottesdienst, den wir einmal im Semester als ESG gestalten, entspricht zwar nicht immer der traditionellen Form, macht uns und unseren Besuchern aber immer sehr viel Freude.

Vor allem ein Gottesdienst, in den wir das Kunstprojekt einer Studentin aus unserer Gemeinde einbezogen hatten, wird wohl allen Beteiligten noch lange in guter Erinnerung bleiben. Dafür haben wir insgesamt 2.000 kleine Schüsseln in der Kirche aufgebaut und die Frage der gerechten Verteilung von Lebensmitteln und anderen Gütern in der Welt thematisiert. Unsere Unikirche war sogar schon im Fernsehen zu sehen  - sie hatte nämlich eine tragende Rolle im Tatort „Borowski und der Engel“.

Sie merken also: Wir, die Studierenden, nutzen die weiten Räume, die uns die Unikirche bietet, gerne und vielfältig aus. Aber das Lied geht ja noch weiter. In der letzten Strophe heißt es, sozusagen ergänzend zu allen Möglichkeiten, die sich uns durch die weiten Räume bieten, weiter: „Doch bleib Kompass, bleibe Richtschnur, dass wir nicht verloren geh’n“.

Bei allem Raum, den die Universitätskirche uns bietet, ist sie doch vor allem eins für uns: Ein Ort der Orientierung (nicht nur von außen, auf dem Campus). Hierher kommen wir, wenn wir allein nicht weiter wissen, auf der Suche nach dem richtigen Weg oder nach Antworten auf Fragen, für deren Beantwortung die Wissenschaft allein nicht ausreichend ist. Mitten im Trubel des Unialltags ist die Unikirche ein wunderbarer Rückzugsort, an dem man sich geschützt und geborgen fühlt (sogar bei schlechtem Wetter, wenn es hier nicht so schön durch die Fenster scheint). Die Bedeutung, die die Universitätskirche dabei für jede und jeden einzelnen von uns hat, kann man vielleicht immerhin erahnen.

Der Refrain unseres Liedes drückt, wie ich finde, sehr gut die Dankbarkeit und Freude aus, die wir auch für diese Kirche empfinden. Wir Studierenden sind sehr dankbar für diesen Ort auf dem Campus und freuen uns, das Jubiläum der Universitätskirche mitzufeiern. Wir hoffen, dass die Kirche auch in den nächsten 50 Jahren noch vielen Studierenden Raum und Orientierung bieten wird. Herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.