Aufgaben und Schwerpunkte des Instituts

Die Systematische Theologie erörtert die für den christlichen Glauben nach reformatorischem Verständnis wesentlichen Überzeugungen im Blick auf das Verstehen (Dogmatik) und Gestalten der Wirklichkeit (Ethik) im Kontext der jeweiligen kulturellen Lage (Prinzipienlehre bzw. Religionsphilosophie). Insofern befindet sich die Systematische Theologie immer auch in einem (kritischen) Gespräch mit anderen Geistes-, Gesellschafts-, Kultur- und Naturwissenschaften.

Zu ihren Schwerpunkten in Kiel gehört die Entfaltung der Dogmatik sowie der Religionsphilosophie in weiterführender Aufnahme weisheits-theologischer (sapientialer) Motive und eine Positionierung der christlichen Handlungstheorie vor allem im interfakultären Diskurs globaler kultur-, umwelt- und wirtschaftsethischer Fragestellungen.

Das Institut für Systematische Theologie in Kiel nimmt vor dem Hintergrund seiner reformatorischen sowie neuzeitlichen Prägungen in besonderer Weise die Verantwortung für die Leitung der Schleiermacher-Forschungsstelle (Leitung: Prof. Dr. André Munzinger) an der Theologischen Fakultät wahr.  

Professur für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Dogmatik

Das Forschungsinteresse der Professur für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Dogmatik (Prof. Dr. Hartmut Rosenau)  gilt der Ausarbeitung einer sapientialen Dogmatik im Anschluss an Traditionen alttestamentlicher Weisheitstheologie. Sie nimmt die gegenwärtigen Erfahrungen von Gottesferne auf und versucht entsprechend den Umgang mit traditionellen Glaubensinhalten auch im Blick auf eine angemessene Form ihrer Vermittlung in einer „postchristlichen“ Zeit neu zu gestalten. Nach einer allgemeinen Grundlegung konzentriert sich nun die Forschung auf das mit der Erfahrung von Gottesferne eng verbundene Theodizeeproblem und seine mögliche Lösung.

Vor diesem Hintergrund geht Dr. phil. Kinga Zeller (Wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Rosenau) in ihrem Habilitationsprojekt den anthropologischen bzw. existenzialen Voraussetzungen für ein angemessenes Verständnis der reformatorischen Rechtfertigungslehre nach, um hier auch konfes-sionsspezifische Kontroversen zwischen Monergismus und Synergismus oder passivsicher und aktivi-scher Konstitution des Menschseins im weiterführenden Anschluss an aktuelle Gabe-Theorien zu überwinden.
Im weiteren Umfeld des hier entwickelten sapientialen Ansatzes in der Dogmatik werden z. Zt.  Dis-sertationen angefertigt, die sich mit einer Apologie der christlichen Trinitätslehre im Blick auf den in-terreligiösen Dialog zur Begründung von Toleranz und Versöhnung (Rahmadwati Yu-Riemer), mit einer Prüfung von Feuerbachs Religionskritik angesichts gegenwärtiger anthropologischer Diskurse (Dinerzad Bauer), mit christlichen Wiedergeburts-Vorstellungen (Hinnerk Husmann) und eschatologi-schen Konzepten von Essentifikation (Christian Krause) sowie mit Aspekten der Theodizee-Problematik (Yasmin Donath) beschäftigen.
Ein weiterer, neu hinzu gekommener Schwerpunkt ist die Verbindung von Themen einer sapientialer Dogmatik mit Entwürfen eines „weltlichen“ Redens von Gott in der Theologie Dietrich Bonhoeffers.   

Professur für Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik

Aktuell fokussiert sich die Arbeit von  Prof. Dr. André Munzinger auf die Ethik als Kulturtheorie, wie sie auf der Basis der Impulse Friedrich Schleiermachers ausgeführt wird. Dabei kann die normative Dimension menschlicher Entwicklung in eine Kulturgeschichte eingezeichnet werden. Besonderes Augenmerk erhalten die Kulturtechniken des Vertrauens und der Kritik, die in der reformatorischen Tradition eine freiheitliche Ausprägung erhalten. Zum einen wird die kulturtheoretische Perspektive vertieft, indem die Genese des Werkes von Friedrich Schleiermacher aus biblischen und platonischen Traditionen rekonstruiert wird. Dieser Aspekt wird durch die Verbindung zur Kieler Schleiermacher-Forschungsstelle und der dort herausgegebenen Kritischen Gesamtausgabe verstärkt. Zum anderen stehen Fragen der nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit und der interkulturellen Herausforderungen durch Migration und globalen Wandel im Mittelpunkt. Die kulturtheoretische Perspektive auf die Ethik erweist sich in diesen Problemlagen als besonders fruchtbar. Die ausführliche Beschreibung der Projekte finden Sie hier

Wiss. Ang. Christiane Nagel promoviert über den Versuch einer wissenschaftstheoretischen Verhältnisbestimmung von Theologie und Religionswissenschaft anhand ihrer unterschiedlichen Fragestellungen.
Wiss. Ang. Stefanie Christine Hertel-Holst untersucht in ihrem Dissertationsvorhaben die Rezeption der Feindesliebe als Handlungsgebot in ausgewählten theologisch-ethischen Konzepten und Diskursen des 20 Jh.

Dr. theol. Sarah Jäger betrachtet in ihrem Habilitationsprojekt den Zusammenhang zwischen der theologischen Bestimmung von Kirche in der Welt, dem Blick auf Gesellschaft und der öffentlichen Verantwortung. Begreift sich der Protestantismus als Teil der Gesellschaft oder sieht er sich im Kontrast zu ihr? Und was folgt daraus für die Aufgabenbestimmung des Protestantismus im öffentlichen Raum?

Das Promotionsprojekt von Dipl.-Theol. Katharina Riedel ist im DFG-Projekt zur kritischen Edition der exegetischen Vorlesungen Schleiermachers angesiedelt. Es wird den Zusammenhang von Exegese und Systematik im Werk Schleiermachers thematisieren.