Nachwuchsförderung

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses betrachte ich als besonders wichtige Aufgabe. Mir liegt daran, wissenschaftlich begabte und praktisch-theologisch interessierte Studierende frühzeitig zu fördern und zu begleiten. Promotions- und Habilitationsprojekte begleite ich durch individuelle Beratung und im Rahmen des praktisch-theologischen DoktorandInnenkolloquiums.

Das DoktorandInnenkolloqium findet in jedem Semester statt. Um die Teilnahme für berufstätige Mitglieder zu erleichtern, liegt der Termin an Freitagnachmittagen. Eingeladen sind alle in der Praktischen Theologie Promovierenden und Habilitierenden sowie praktisch-theologisch interessierte Studierende. Jedes laufende Projekt sollte einmal im Semester vorgestellt und diskutiert werden, so dass konstruktive Anregungen für die Weiterarbeit entstehen. Daneben diskutieren wir anhand gemeinsamer lektüre aktuelle praktisch-theologische Fragestellungen.

Einmal jährlich findet ein internationales DoktorandInnenkolloquium zusammen mit den praktisch-theologische in Instituten aus Zürich/Schweiz und Leiden/Niederlande statt. Der Austausch aus unterschiedlichen Perspektiven praktisch-theologischer Forschung erweist sich dabei als besonders fruchtbar.

Im Moment entstehen folgende Qualifikationsarbeiten an meinem Lehrstuhl:

Betreute Qualifikationsarbeiten


Habilitationen

Dr. Gabriela Muhl
Oberstudienrätin
Kompetenz und Religionsunterricht – Widerspruch oder Chance?

Dieses Habilitationsprojekt fragt danach, wie sich der Kompetenzbegriff kategorisieren bzw. definieren lässt unter besonderer Berücksichtigung einer domänenspezifischen Qualität; inwieweit Kompetenzorientierung, die eine subjektorientierte Unterrichtsausrichtung impliziert und die Reflexion der subjektiven Bedeutsamkeit des Lerninhalts/-gegenstands zum zentralen Anliegen macht, sich als genuin für den Religionsunterricht ausweist; ob religionsdidaktische Ansätze dieses Potential bereits vorformulieren und schließlich: inwiefern Kompetenz als ein innersubjektiver Vorgang zu verstehen ist, dessen Ausdruck sich als Selbstäußerung in Beziehungen ereignet und der sich daher als Ausdruck der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott verstehen lässt: als Existenz im Gegenüber und in Beziehung zu Gott.


Promotionen

Sarah von Deylen
Doktorandin, Stipendiatin der Nordkirche
Genderorientierte Bibeldidaktik

Der englische Ausdruck „gender“ bezeichnet das soziale Geschlecht des Menschen, das der Einzelnen / dem Einzelnen anerzogen wird. Paulus äußert sich in seinen Briefen u.a. zu dem Verhältnis von Mann und Frau und gibt Regeln in seinen Gemeinden für das Zusammenleben der Geschlechter vor. Das Projekt fragt, wie das Verhältnis von Mann und Frau in den Paulusbriefen aus der Perspektive der Genderdebatte mithilfe der verschiedenen Ansätze der Bibeldidaktik in der Spätmoderne vermittelt werden kann.

 

Saskia Eisenhardt
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Projekts „'Theologisieren mit Jugendlichen' als didaktisches Modell zwischen Universität und Schule“ (Lehramt in Bewegung CAU-LiB)
Theologisieren mit religionsfernen Jugendlichen

Beim Ansatz des Theologisierens, welcher vor allem für den RU entwickelt wurde, geht es darum mit Heranwachsenden über Fragen von Religion und Theologie ins Gespräch zu kommen und ihnen zuzutrauen, nicht nur Fragen zu religiösen Themen zu stellen, sondern ihre Vorstellungen auch zu reflektieren und eigene Antworten zu finden. Kurzum: Den Jugendlichen wird zugetraut, selbst Theologie zu betreiben.
Als innerchristlicher Ansatz konzipiert, war der Fokus des Theologisierens lange Zeit vor allem auf Heranwachsende gerichtet, die entsprechend christlich-religiös sozialisiert waren. Für den RU ergibt sich allerdings die Herausforderung, dass er vermehrt von Schüler*innen besucht wird, für die eine solche Sozialisation nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Nimmt man die Realität des RUs ernst, müssen auch religionsferne Schüler*innen in die Überlegungen und Reflexionen zum Theologisieren eingeschlossen werden.
Vor diesem Hintergrund widmet sich das Dissertationsvorhaben der Frage, ob und wie Theologisieren mit religionsfernen Jugendlichen im RU funktionieren kann. Die Perspektive wird vor allem auf die betreffenden Schüler*innen selbst gerichtet: Wie bringen sich religionsferne Schüler*innen beim Theologisieren im RU ein? Wie argumentieren sie? (Wie) nehmen sie religiöse Traditionen auf? Lassen sich Muster des Theologisierens erkennen? Und was bedeutet das für die Umsetzung des Theologisierens in der unterrichtlichen Praxis?

 

Christiane Flachsenberg
Studienrätin
Mea res agitur?! – Der Bibliolog als jugendtheologischer Ansatz

In dem Dissertationsprojekt zur Jugendtheologie geht es auf der Basis schulpraktischer Erfahrungen um einen besonderen Weg der Begegnung zwischen der jüdisch-christlichen Tradition und jungen Menschen heute. Im Zentrum der Untersuchung stehen Bibliologe, die in den unterschiedlichen Klassenstufen eines Gymnasiums gehalten werden. Diese werden unter der Fragestellung in den Blick genommen, ob und inwieweit der bibelhermeneutische Zugang des Bibliologs sinnvoll als jugendtheologischer Ansatz zu verstehen ist.
Zudem wird in diesem Zusammenhang zu untersuchen sein, ob auf diesem Wege die biblische Tradition heute noch einen Resonanzraum für religiöse Erfahrungen, für „Ansprechbarkeiten“ von jungen Menschen bildet und somit die Bibel als grundlegende Urkunde des christlichen Glaubens, als in Worte gefasste Begegnungen von Menschen mit dem Heiligen für junge Menschen zu etwas, was sie unbedingt angeht, zu ihrer Sache, „sua res“, werden kann.

 

Sebastian Hasler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter* am Institut für Praktische Theologie
Die Genderkategorie im Religionsunterricht: Theoretische Überlegungen und empirische Untersuchungen

Seit rund zehn Jahren werden in der religionspädagogischen Diskussion gendersensible Ansätze für den Religionsunterricht diskutiert. Dabei handelt es sich allerdings vorwiegend um einen theoretischen Diskurs. Wenig Aufmerksamkeit hat dabei bisher die empirische Erforschung eines gendersensiblen Religionsunterrichts erhalten. So ist weitgehend unklar, ob bzw. inwieweit die theoretischen Überlegungen Eingang in die praktische Umsetzung des gendersensiblen Religionsunterrichts finden. Das Forschungsvorhaben ist daher bestrebt, einen Beitrag zur empirischen Untersuchung eines gendersensiblen Religionsunterrichts zu leisten. Dabei soll besonders die Haltung und das damit verbundene Genderverständnis der Lehrkräfte im Fokus des Erkenntnisinteresses stehen sowie die daraus erwachsenen didaktischen Absichten der Religionslehrkräfte.

 

Inga Katharina Heyse
Doktorandin
Der Perspektivwechsel als Voraussetzung für einen inklusiven Religionsunterricht

Trotz eines entwickelten Diskurses zu Inklusion im Allgemeinen sind die Ansätze einer inklusiven Religionspädagogik im Besonderen als weitgehend anfänglich zu beurteilen. Für die Umsetzung von Inklusion scheint sowohl in verschiedenen Differenzdiskursen als auch in der Theologie der Perspektivwechsel von großer Relevanz zu sein. Das Forschungsvorhaben soll die Konzepte des Perspektivwechsels in verschiedenen Diskursen und in der Theologie untersuchen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede analysieren und bewerten, um mit den gewonnenen Erkenntnissen zu einer inklusiven Religionsdidaktik und schließlich zu einem inklusiven Religionsunterricht beizutragen.

 

Jana Laubert-Peters
Doktorandin, Mitarbeiterin im Diakonischen Werk Schlewig-Holstein
Halbe Berufung? Theoretische und empirische Untersuchungen zum Teildienst im Gemeinde-Pfarramt

Die Dissertation umfasst Untersuchungen zum sogenannten Teildienst im Gemeinde-Pfarramt, womit unter anderem 50% Stellen im Pfarramt gemeint sind. Der Teildienst wird als Querschnittsthema verstanden und Ziel der Arbeit ist somit, dem Teildienst aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Spur zu kommen. Neben einer Rekonstruktion der Entstehung und Entwicklung des Teildienstes nimmt die empirische Untersuchung einen zentralen Platz ein. Diese interessiert sich vorrangig dafür, welche Selbstkonzepte bzw. –bilder Pfarrer*innen im Teildienst haben, während sie u.a. von ihrem (Arbeits-)Alltag erzählen. 

 

Antonia Elisa Lüdtke
Mitarbeiterin des ReVikoR-Projekts und wissenschaftliche Referentin er Nordkirche für die Prozessgruppe "Auswertung ReVikoR"
„Confessional gap“ - Religionsunterricht auf der Schwelle

Konfessionalität ist dran. Der konfessionelle Religionsunterricht steht erneut – oder immer noch – auf dem Prüfstand. Vor allem im Angesicht von religiöser Pluralität werden bisherige Interpretationen des Konfessionalitätsprinzips in ihrer Relevanz in Frage gestellt.

Im Zuge dieser konzeptionell orientierten Arbeit wird zum einen dargestellt, dass der gegenwärtige Diskussionsstand um das Konfessionalitätsprinzip als „confessional gap“ perzipiert und charakterisiert wird. Im übertragenen Sinne erscheint die Konfessionalitätsfrage als „Leerstelle“, die es angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen zu füllen gilt. Konfessionalität ist weder eindeutig noch selbsterklärend, sondern bedarf ständiger und erneuter Reflexion. Zukünftige Formen des Religionsunterrichts werden im Wesentlichen davon abhängen, ob die „confessional gap“ als solche wahrgenommen wird und vor allem wie mit diesem „garstigen, breiten Graben“ umgegangen wird.

Zum anderen konstatiert diese Arbeit auf unterschiedlichen Wegen, dass Konfessionalität plural verstanden wird. Zu diesem Zweck werden u.a. die religionspädagogischen Diskurse der letzten Jahre auf „Muster“ von Konfessionalität hin untersucht. Ergänzt wird dieser theoretische Blickwinkel durch empirische Einsichten, welche im Kontext der ReVikoR-Studie („Religiöse Vielfalt im konfessionellen Religionsunterricht“) in Schleswig-Holstein gewonnen werden konnten.

Schließlich wird auf der Grundlage des pluralen Konfessionalitätsverständnisses von Lehrer*innen und Schüler*innen und in Korrelation zu den Erträgen der theologisch-konzeptionellen Analysen ein Konfessionalitätskonstrukt entwickelt, welches sowohl den gesellschaftlichen als auch den damit verbundenen theologischen Herausforderungen der Gegenwart gerecht werden möchte.


Anne Polster
Doktorandin, Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst
Der Konfirmationstag in der Perspektive von Konfirmandinnen und Konformanden

Die Konfirmandenzeit zählt für die Konfirmand*innen zu den intensivsten Berührungen mit der Kirche. Die Konfirmation ist für sie und ihre Familien ein wichtiges Fest im Familien- und Lebenszyklus. Der Konfirmationstag selbst als Ziel und Höhepunkt der Konfirmationszeit ist empirisch bislang jedoch noch kaum untersucht worden. Im Vordergrund des Forschungsvorhabens steht die Perspektive der frisch Konfirmierten auf ihren Konfirmationstag.

Mit Jugendlichen in drei verschiedenen Kirchengemeinden wurden nach ihrer Konfirmation Gruppendiskussionen geführt. Diese wurden mit der Methode der dokumentarischen Interpretation ausgewertet. In der Arbeit wird die Erfahrungsbildung der Jugendlichen und die Bedeutungsdimensionen des Konfirmation entfaltet.  Aus der empirischen Untersuchung sollen Anstöße für die Theologie der Konfirmation und Anregungen für die praktische Gestaltung des Konfirmationstags generiert werden.

 

Abgeschlossene Habilitation von PD Dr. Maike Schult:

Ein Hauch von Ordnung. Traumaarbeit als Aufgabe der Seelsorge (Reihe: Arbeiten zur Praktischen Theologie, Bd. 64, Evangelische Verlagsanstalt,
zugleich: Habil. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 2014), Leipzig 2016.