Schwerpunkte in Forschung und Lehre

Das Forschungsinteresse der Professur für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Dogmatik (Prof. Dr. Rosenau)  gilt der Ausarbeitung einer sapientialen Dogmatik im Anschluss an Traditionen alttestamentlicher Weisheitstheologie. Sie nimmt die gegenwärtigen Erfahrungen von Gottesferne auf und versucht entsprechend den Umgang mit traditionellen Glaubensinhalten auch im Blick auf eine angemessene Form ihrer Vermittlung in einer „postchristlichen“ Zeit neu zu gestalten. Nach einer allgemeinen Grundlegung konzentriert sich nun die Forschung auf das mit der Erfahrung von Gottesferne eng verbundene Theodizeeproblem und seine mögliche Lösung.

Vor diesem Hintergrund geht Dr. Philipp David  (Wiss. Mitarbeiter an der Professur von Prof. Rosenau) den innertheologischen Ursachen der gegenwärtigen Erfahrung von Gottesferne in seinem Habilitationsprojekt genauer nach, die in jüngerer Vergangenheit insbesondere mit dem Historismusproblem und mit der Proklamation des „Todes Gottes“ gegeben sind. Beides provoziert eine neue – existentiale – Zugangsweise zur Theologie, die in der Gestimmtheit eines „Gott offenen Staunens“ gefunden werden kann.

Im weiteren Umfeld des hier entwickelten sapientialen Ansatzes in der Dogmatik werden zurzeit fünf Dissertationen angefertigt, die sich mit dem Verhältnis von Selbst- und Gottesbewusstsein bei Kierkegaard (Herr Christian Kopp), mit einer Apologie der christlichen Trinitätslehre im Blick auf einen interreligiösen Dialog zur Förderung von Versöhnung und Toleranz (Frau Rahmadwati Yu-Riemer), mit der Krise des Schriftprinzips und seiner rezeptionsästhetischen Überwindung (Frau Kinga Zeller), mit der möglichen Relevanz der – katholischen – Existenztheologie G. Marcels für die gegenwärtige protestantische Theologie (Herr Jan Reinartz) und der Bedeutung der Mystik im Blick auf eine politische Weltgestaltung (Frau Yon Ji Chung) beschäftigen.

Außerdem wird an dieser Professur das DFG-Projekt „Pastoren für Amerika“ (Dr. H. Edelmann / Daniel Rathjens) betreut.

Dissertationen und Habilitationen

1.)  Dissertation:  Lichtblick des Friedens. Grundlinien einer sapientialen Theologie der Religionen im Anschluss an Nikolaus von Kues

Eine sapientiale Theologie der Religionen geht von der ambivalenten lebensweltlichen Erfahrung der existentiellen Suche nach Sinn angesichts des religiös-weltanschaulichen Pluralismus' im Horizont der Theodizeefrage und Gottesferne aus. Durch die Aufnahme der konjekturalen Methode der Wahrheitserkenntnis (ars coniecturalis / Kunst der Mutmaßung) des Philosophen und Theologen Nikolaus von Kues (1401 - 1464) und einer systematisch-theologischen relecture seiner Schriften De docta ignorantiaDe coniecturisDe pace fidei und De visione Dei wird ein Perspektivismus in Abgrenzung zu gängigen religionstheologischen Klassifikationen (Exklusivismus; Inklusivismus; Pluralistische Theologie der Religionen) entfaltet, der die christliche Glaubensgewissheit mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen (selbst-)kritisch zueinander in Beziehung setzt und so ethische Bedingungen der Möglichkeit eines gelingenden Friedens zwischen den Religionen im Sinne des christlichen Gebots der Feindesliebe formuliert. Die philosophische Theologie des Cusaners zeigt sich für die gegenwärtigen Debatten um eine Theologie der Religion erstaunlich weiterführend.

http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-9052-X

2.) Habilitationsprojekt: Fragwürdiger Abschied. Die Krise des Gottesgedankens in der Moderne und die Theologie (Arbeitstitel)